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Hilfe für weinende Seelen |
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Kinder und Jugendliche sind Kränkungen, widrigen Lebens- und Familienverhältnissen und jeglichen traumatischen Erlebnissen gegenüber verletzlicher als Erwachsene. Ihre „Haut ist dünner“, und nicht zuletzt können unbewältigte Probleme oder schmerzhafte Erfahrungen der frühen Lebensjahre Qualität, Erfolg und Gesundheit des weiteren Lebens beeinträchtigen. Gehen Krisen tiefer und ist ihre vollständige Verarbeitung nicht möglich, können Narben mit weitreichenden Folgen entstehen, zum Beispiel mangelnde Leistungsfähigkeit, unerfüllte Beziehungen, Verhaltungsstörungen, Depressionen, Selbstwertprobleme und nicht zuletzt viele psychisch (mit-)verursachte körperliche Erkrankungen.
Eröffnet hat die Ambulanz im Oktober, und seither wurde das Angebot sehr gut angenommen. Prof. Pritz führt das auf den enormen Bedarf zurück und „weil wir schnell, unbürokratisch und zur Gänze auf e-card arbeiten.“ Kinder-Leiden. Tatsächlich sind die Gründe, qualifizierte psychotherapeutische Hilfe und Unterstützung zu suchen, bei Kindern und Jugendlichen besonders vielfältig, zum Beispiel Schwierigkeiten in der Schule, Familienprobleme (Streit unter den Eltern oder Nicht-Zurande-Kommen mit neuen Partnerinnen und Partnern geschiedener Eltern), psychosomatische Erkrankungen (Einnässen, Einkoten, Kopf- oder Bauchschmerzen ohne erkennbare körperliche Ursache), Identitätskrisen der Pubertät, Erfahrungen von Gewalt oder Missbrauch, Verlust eines Elternteils oder der Verlust der Heimat bei Flüchtlingskindern. Diskretion für Jugendliche. „Kinder bis 14 Jahre müssen von ihren Eltern angemeldet werden. Ab dem 14. Geburtstag können Jugendliche allein entscheiden und erhalten unsere Hilfe auch ohne Wissen und Einverständnis der Eltern“, sichert Univ.-Prof. Pritz hier Diskretion zu. „Eine junge Gymnasiastin zum Beispiel kommt heimlich, weil ihr Vater Psychotherapie aus religiösen Gründen wütend ablehnt. Auf unsere Verschwiegenheit kann sie sich verlassen.“ Der Weg zur Therapie. Der erste Schritt für Kinder und Jugendliche in Seelennot ist ein Anruf oder eine E-Mail zur Information und zur Vereinbarung des ersten Termins. Das erste Kennenlern-Gespräch führt stets Ambulanzleiter Univ.-Prof. Pritz selbst: bei Unter-14-Jährigen entweder gemeinsam mit dem Kind oder, je nach Vereinbarung, nur mit den Bezugspersonen. Darauf folgt eine sorgfältige psychodiagnostische Untersuchung, aus der sich ergibt, ob eine Psychotherapie hilfreich sein kann, und wenn ja, welche. „Nicht alle psychischen Störungen sind dazu geeignet, von uns hier betreut zu werden“, schränkt Univ.-Prof. Pritz ein. „Autismus zum Beispiel erfordert ein ganz spezielles Setting, das wir hier nicht bieten können. Dann überweisen wir weiter.“ Aus den Ergebnissen der Untersuchung erarbeiten die Expertinnen und Experten der Ambulanz einen Therapieplan, der je nach Alter und Vereinbarung mit dem Kind oder Jugendlichen, mit oder ohne Erziehungsberechtigten, besprochen wird. Und dann kanns losgehen. Individuelle Arbeitsweise. Die Therapie selbst richtet sich nach den Bedürfnissen des Einzelfalls. Neben den gängigen Settings der Einzel- und der Gruppenpsychotherapie arbeiten die Therapeutinnen und Therapeuten in der Andreasgasse mit vielfältigen Möglichkeiten der Einbeziehung der Eltern oder anderer Bezugspersonen. Das Spektrum reicht hier von der Beratung der Eltern unabhängig von der Therapie des Kindes über die Psychotherapie der Eltern selbst bis hin zum gemeinsamen Prozess der Familientherapie. „Wenn ein Kind oder Jugendlicher nicht mehr weiter weiß, sind in aller Regel auch die Eltern hilflos und brauchen Unterstützung“, weiß Univ.-Prof. Pritz aus jahrzehntelanger Erfahrung. „Sie sind oft wütend auf ihre Kinder, weil diese sich nicht den Erwartungen gemäß verhalten. Und sie sind natürlich oft Teil des Problems, wenn nämlich zwischen Eltern und Nachwuchs nur Missverständnisse herrschen oder wenn das eigenständige Denken des Kindes nicht akzeptiert wird.“ Univ.-Prof. Pritz kündigt an: „Der nächste Ausbauschritt in unserer Ambulanz ist der Aufbau einer Eltern-Gruppe, die im Frühjahr 2012 starten soll. Oft sind die Schwierigkeiten der Kinder nur Reflexe der Probleme ihrer Eltern, die von selbst wegfallen, wenn diese mit sich ins Reine kommen.“ Hilfe für Lehrkräfte. Haben die psychischen Probleme der Kids mit der Schule zu tun, beziehen die Expertinnen und Experten der SFU bei Bedarf aber auch Lehrerinnen und Lehrer in die Therapie mit ein. „Wir hatten einen Fall, in dem durch ein einziges Telefonat mit der Klassenlehrerin, die gar nicht gemerkt hatte, dass sich eine Schülerin von ihr nicht anerkannt fühlte, das Problem gelöst wurde“, schildert Univ.-Prof. Pritz. „Das zeigt uns, dass auch Lehrende oft hilflos sind und psychologische Unterstützung benötigen. Und wenn es ihnen schlecht geht, geht es auch den Schülerinnen und Schülern schlecht. Eine weitere, für die mittlere Zukunft geplante Ausbaustufe ist daher auch ein Hilfsangebot für Lehrerinnen und Lehrer. Wir gehen da Schritt für Schritt voran.“ Therapie wahrt Potenziale.
Alle Angebote der Ambulanz in der Andreasgasse werden von erfahrenen
Psychotherapeutinnen und -therapeuten mit besonderer Kompetenz in der
Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geführt und laufend
wissenschaftlich evaluiert. „Ich kann nur dringend empfehlen,
unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn ein Kind in Schwierigkeiten
steckt“, appelliert Univ.-Prof. Pritz. „Jedes Kind hat ein
Potenzial, das es im Lebenskontext verwirklichen will. Es wäre
unendlich schade, wenn diese innere Erbschaft unnötigerweise durch
psychische Probleme an der Entfaltung gehindert würde und
verkümmern müsste.“ (jk)
Ort: WGKK-Gesundheitszentrum Andreasgasse, Wien 7., Andreasgasse 3/1. Stock
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