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Schulen, die gesünder machen
Mehr Bewegung, gesündere Ernährung, bessere psychosoziale Gesundheit: Diese Ziele fördert die „Service Stelle Schule“ der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) auf vielfältige Weise. Ob die Einführung von konzentrationsfördernden Workout-Auszeiten, das Anlegen eines Naschgartens oder das Erlernen friedlicher Konfliktbewältigung – die WGKK unterstützt interessierte Schulen mit Rat und Tat.

Was haben die Schülerinnen und Schüler der Kooperativen Mittelschule (KMS) Bendagasse im 23., die Volksschule Carl-Prohaska-Platz im 10. Wiener Gemeindebezirk und die Volksschule Pantucekgasse in Wien 11 gemeinsam? Sie zählen zu den 65 Wiener Schulen, die in Kooperation mit der Wiener Gebietskrankenkasse aktiv daran arbeiten, als „gesundheitsfördernde Schulen“ für ihre Schülerinnen und Schüler gesunde Lebenswelten zu gestalten.

Wenn zum Beispiel Schülerinnen und Schüler der Kooperativen Mittelschule Bendagasse im 23. Wiener Bezirk einmal in Streit geraten, wenden sie sich nicht etwa nur an Lehrerinnen und Lehrer, damit diese schlichtend eingreifen, sondern in erster Linie an ihresgleichen: In der KMS Bendagasse werden seit dem Schuljahr 2008/2009 interessierte Schülerinnen und Schüler von externen Trainern zu Konflikt-Lotsinnen und -Lotsen ausgebildet. Ein Ansatz der sogenannten „Peer-Mediation“, der viel dazu beigetragen hat, dass Versuche gewaltsamer Problemlösung an dieser Schule selten geworden und die Jugendlichen nun wesentlich besser in der Lage sind, ihre Probleme auf verantwortungsbewusste Weise selbst zu lösen.

Szenenwechsel: In der Volksschule Pantucekgasse im 11. Wiener Bezirk dürfen Youngsters, die bemerken, dass sie sich nicht mehr auf den Unterricht konzentrieren können, eine „Bewegungsauszeit“ nehmen: Sie halten dann eine gelbe oder rote Karte hoch, und ein Nicken der Lehrkraft zeigt ihnen, dass ihr Bedürfnis wahrgenommen wurde. Die Karte wird an die Pinnwand geheftet und dann gehts ab in den „roten“ oder „gelben“ Bereich – besonders bewegungsfreundlich gestaltete Räumlichkeiten, in denen der Drang nach körperlicher Aktivität gestillt werden kann. Danach wird die Karte von der Pinnwand genommen und der oder dem nächsten Platz gemacht.

Unter dem Motto „Ich + Du = Wir“ hat die Volksschule Carl-Prohaska-Platz im 10. Wiener Bezirk nicht nur ein Schülerparlament gegründet, sondern unter dem Arbeitsschwerpunkt „Lernen mit allen Sinnen“ auch einen Naschgarten mit verschiedensten Obststräuchern angelegt: Deren Früchte konnten die Schülerinnen und Schüler auf einem großen „Fest der Sinne“ dann auch selbst genießen. Die gute Erfahrung gelebter Mitsprache und das viele neue Wissen über gesunde Ernährung und die Zyklen der Natur haben bereits zur Fortsetzung beider Projekte geführt.

„Service Stelle Schule“. Zentraler Ansprechpartner dafür ist die „Service Stelle Schule“ der WGKK, deren Leiterin Katharina Weber, MA, schon auf große Erfolge verweisen kann: „Es ist wunderbar, zu sehen, wie sich Schulen entwickeln und mit welchem Einsatz die Lehrerinnen und Lehrer am Werk sind. Zur Verwirklichung der meisten Projekte ist sehr viel Arbeit nötig, die sie in ihrer Freizeit unentgeltlich leisten. Das Engagement dafür macht sich aber auch für sie selbst bezahlt: Denn erstens ist der Umgang mit Schülerinnen und Schülern, denen es gut geht, einfacher. Und zweitens kommen Lehrerinnen und Lehrer durch diese Projektarbeit in vielen Schulen auch auf den Geschmack, Gesundheitsförderung für sich selbst zu betreiben. Und gehts den Lehrerinnen und Lehrern gut, hat das positive Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler.“

Frühzeitig vorbeugen. Die „Service Stelle Schule“ der WGKK stellt Know-how, Personal, finanzielle Förderungen und vieles mehr für Projekte zur Verfügung, die auf bessere Ernährung, mehr Bewegung und größere psychosoziale Gesundheit abzielen. Der Bedarf ist jedenfalls gegeben: Nach einer epidemiologischen Studie aus dem Jahr 2006 litten damals rund 45 Prozent der Wiener Schülerinnen und Schüler mehrmals wöchentlich oder gar täglich unter psychischen oder körperlichen Beschwerden. Und der Lebensstil vieler Mädchen und Burschen war nicht gerade gesund: Der Empfehlung, täglich Bewegung zu machen, folgte schon unter den 11-Jährigen nur rund ein Viertel, unter den 15-Jährigen waren es gar nur mehr 9,5 Prozent. Lediglich 12,9 Prozent aller 11- bis 15-jährigen Wienerinnen und Wiener nahmen täglich Obst und Gemüse zu sich, während Risikoverhalten wie Rauchen, Alkohol- und Cannabis-Konsum noch immer erschreckend verbreitet war. Dazu Katharina Weber: „Wir von der WGKK wollen nicht erst die teuren Folgen eines gesundheitsschädlichen Lebensstils behandeln, sondern vorbeugen und gerade in den prägenden Jahren der Kindheit und Jugend möglichst viel Selbstkompetenz zum Gesundbleiben vermitteln.“

Hilfe zur Selbsthilfe. „Zwar müssen Schulen, die mit uns zusammenarbeiten, ihre Arbeit selber tun, wir begleiten und unterstützen sie aber nach Kräften“, betont MA Weber. „Entscheidend dafür, ob die Erfahrungen aus einem Projekt für die Schülerinnen und Schüler zum lebenslangen Gesundheitsgewinn werden können, ist letztendlich aber auch die Mitarbeit der Eltern. Daher mein Appell: Bringen Sie sich in die gesundheitsfördernden Aktivitäten ‚Ihrer‘ Schule mit ein! Sie werden davon auch für zu Hause profitieren können!“

Hier ein Überblick über die Angebote der „Service Stelle Schule“ der WGKK. Sie sind weitgefächert und zur Gänze kostenlos:
  • Um herausfinden zu können, wo gesundheitliche Defizite bestehen und woran es sich besonders zu arbeiten lohnt, hat die WGKK einen Gesundheitsfragebogen für Schülerinnen und Schüler erstellt.

  • Schulen, die sich für Gesundheitsförderungs-Projekte interessieren, erhalten Projektberatung und -begleitung sowie unterstützende Informationsmaterialien, etwa den „Projektpfadfinder“ mit Tipps für alle Projektphasen. Projekte, die bestimmte Qualitätsstandards einhalten, werden mit bis zu 1.000 Euro gefördert.

  • Der Leitfaden „Eltern und Schule als Partner“ erläutert, wie schulische Gesundheitsförderung zum Erfolg werden kann, wenn auch die Eltern „mitziehen“.

  • Zum zentralen Gesundheitsthema Ernährung bietet die „Service Stelle Schule“ zum Beispiel den „WGKK-Ernährungsfächer“, Workshops wie „Ernährung und Gesundheit“, „Sinneswahrnehmung – Körperbild – Eigenverantwortung“ und „Essensgewohnheits-Einflüsse“ oder den Elternratgeber „Gesunde Jause von zu Hause“.

  • Damit das wichtige Lebenskapitel Sexualität, Liebe und Verhütung gleich von Beginn an positiv geprägt wird und beim „ersten Mal“ „nichts passiert“, bietet die WGKK in der „First Love Ambulanz“ im Gesundheitszentrum Mariahilf individuelle Beratung für Burschen und Mädchen. Außerdem bietet das Gesundheitszentrum Wien-Mitte eine individuelle „Mädchen-Sprechstunde“ sowie Coachings für Schulklassen, bei denen eine Gynäkologin, ein Urologe und ein Sexualpädagoge Rede und Antwort stehen.

  • Das Zahngesundheits-Förderungsprojekt „Tipptopp Kariesstopp“ für Wiener Kindergärten und Volksschulen umfasst eine zahnmedizinische Reihenuntersuchung, zahnpädagogische Betreuung und das spannende Zahntheater „Im Mund geht’s rund“: Dort können sich Kids anschauen, wie sich die Zähne heftig und erfolgreich gegen Kariesbakterien zur Wehr setzen. Dieses Projekt wird von der WGKK gemeinsam mit der Wiener Gesundheitsförderung (WiG) und den anderen Wiener Krankenversicherungsträgern finanziert

  • Ebenfalls für das Volksschulalter ist „Ich und meine Welt“ gedacht – eine Serie von Gesundheitsbüchern zum Zeichnen, Basteln und Schreiben.

  • Nicht zuletzt ist die „Service Stelle Schule“ der WGKK eine der Trägerinstitutionen des Wiener Netzwerks Gesundheitsfördernde Schulen (siehe Kasten).



Das Wiener Netzwerk Gesundheitsfördernde Schulen
Im Rahmen des Wiener Netzwerks Gesundheitsfördernde Schulen (WieNGS) arbeitet die „Service Stelle Schule“ der WGKK mit der Pädagogischen Hochschule Wien, der Wiener Gesundheitsförderung GmbH und dem Stadtschulrat für Wien mit dem Ziel zusammen, die Gesundheit von Schülern, Lehrern und Eltern gleichermaßen zu verbessern. Praxisbeispiele, Informationen zum Beitritt in das WieNGS und über die Abwicklung von Projekten sowie nützliche Tipps wie etwa zur Gestaltung gesundheitsfördernder Schulbuffets gibt es unter www.wiengs.at

Kontakt zur „Service Stelle Schule“ der WGKK:
Katharina Weber, MA
Wienerbergstr. 15‒19, 1100 Wien
Tel. (01) 601 22-2108 oder katharina.weber@wgkk.at




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