People Logo Archiv Ueber uns Anzeigen Redaktion Abo Links
Archiv Ausgabe 01/09   ausgabe0209   Ausgabe 03/09   Ausgabe 04/09   2009   I   Ausgabe 4
Übersicht   nächster Artikel
Mit Offenheit und Überblick
Eine neue Tagesklinik für Star-Operationen und ein hoch modernes, multimediales Aufklärungssystem für Patientinnen und Patienten sind die ersten Projekte, die sich Univ.-Prof. Dr. Oliver Findl, der neue Leiter der Augenabteilung im Wiener Hanusch-Krankenhaus, vorgenommen hat.

„Topmedizin darf nicht nur aus Spitzenleistungen allein bestehen – sie muss beim Patienten auch ankommen. Er muss sich wohl fühlen, ausreichend informiert sein, möglichst immer die gleichen Ansprechpartner finden. Er muss verstehen, worum es geht und sich umgekehrt auch den Eindruck haben, dass er verstanden wird – nicht nur als Fall, sondern als Mensch. Nur wenn beides gelingt, haben wir Qualitätsmedizin wirklich umgesetzt.“

Dieses Glaubensbekenntnis stammt von Univ.-Prof. Dr. Oliver Findl, der seit August als Primarius die Augenabteilung des Wiener Hanusch-Krankenhauses leitet. „Das Hanusch-Krankenhaus ist geradezu ideal, um ein solches Ziel umzusetzen,“ ist der engagierte Mediziner überzeugt. „Es ist einerseits groß genug, um einen guten Ruf zu haben und über die neuesten Geräte am letzten Stand der Technik zu verfügen, aber andererseits klein genug, um Verbesserungen rasch und effizient zu verwirklichen. Operationssaal, Ambulanz und Station werden von den gleichen Menschen betreut, was einen tollen Teamgeist ergibt. Und was ich besonders schätze, sind die kurzen Wege zu den Verantwortlichen der Wiener Gebietskrankenkasse, der Trägerin dieses Spitals. Wenn eine Idee gut ist und ein vernünftiger Geschäftsplan dafür vorliegt, wird in wenigen Wochen in die Wege geleitet, was an größeren Häusern Monate und Jahre dauert.“

Top-Arzt und Top-Manager
Nach seiner Habilitation hat Prof. Findl nicht nur den üblichen Management-Kurs für angehende Primarii, sondern gleich ein zweijähriges berufsbegleitendes Studium zum MBA (Master of Business Administration) im Fach Gesundheitsmanagement abgeschlossen: „Ich wollte nicht nur hineinriechen, sondern von Grund auf verstehen, wie Effizienzsteigerungen und Einsparungen ohne Verlust von Qualität und Menschlichkeit möglich sein kann.“

Begonnen hat die medizinische Karriere des frisch gebackenen Augen-Primars vor mittlerweile 24 Jahren in eben diesem Hanusch-Krankenhaus: Mit einem Ferialjob als Träger und Pflegehelfer nach der Matura: „Ich war mir damals noch nicht sicher, ob ich Physik oder Medizin studieren sollte. Die Erfahrung hier hat den Ausschlag für Letzteres gegeben, und ich bin damit sehr, sehr glücklich,“ blickt er zurück. „Mit meinem Fach bin ich der Physik ohnehin treu geblieben, denn Optik ist ein unverzichtbarer Teil der Augenheilkunde, und die Statistik-Kenntnisse, die ich für meine Forschungs- und Studientätigkeit brauche, befriedigen mein Interesse an Mathematik.“

Kostbare Auslandserfahrungen
Hinsicht bewundere ich die amerikanische Weise, Wissenschaft zu betreiben – stets offene Türen, jeder kann jederzeit Fragen stellen, Fehler werden offen diskutiert, und private Freundschaft wird von fachlicher Kritik einfach und unemotional getrennt. Von diesen Lehren zehre ich noch heute.“
Daran schlossen 13 Jahre am Wiener AKH an, zuerst Ausbildung und dann als Oberarzt, viel gesammelte Erfahrung als Chirurg, mit Spezialisierung auf die Operation des Grauen Star – und schließlich das Gefühl, betriebsblind und zu einseitig zu sein. Er bewarb sich daher beim renommierten Moorfields Eye Hospital in London, dem größten und ältesten Augen-Spital der Welt, wo er die letzten drei Jahre als leitender Oberarzt tätig war. „Hier war es mir möglich auch die Netzhaut-Chirurgie von internationalen Spezialisten zu erlernen. Auch hier konnte ich bewundern, wie Fehler nicht zum Anlass für Intrigen, sondern für die sachlichen Verbesserungen der Abläufe genommen wurden, und wie interne Kontrollen und Überprüfungen stets dazu dienen, Prozesse immer weiter zu optimieren. Für meine Tätigkeit am Hanusch-Krankenhaus wird mir das ein Vorbild sein.“

Prim. Prof. Findls Spektrum von Fähigkeiten und Visionen kommt Patientinnen und Patienten aber nicht nur in der unmittelbaren Behandlung und Abteilungsführung zugute, denn: „Ich sehe mich nicht als engen Spezialisten, sondern als kompletten Mediziner. Das heißt, trotz der Spezialisierung, die nötig ist, um zum Beispiel höchste Operationsqualität auch in kniffligen Fällen zu erreichen, möchte ich doch in der gesamten Berufslandschaft bewandert sein, und dazu gehören für mich als Universitätslehrer auch die Forschung sowie nicht zuletzt die strukturierte und umfassende Ausbildung von Studenten und Fachärzten.“

Forscher von Weltrang
Durch Erstere hat sich Prof. Findl bereits weit über die Grenzen Österreichs hinaus einen Namen gemacht: Er baute, noch im Wiener AKH, die europaweit aktivste Forschungsgruppe über die Graue Star Operation (Katarakt) auf. Er leitete die klinischen Studien, die die Überlegenheit einer neuen, am Wiener Universitätsinstitut für Medizinische Physik entwickelten Methode zur Augenvermessung bei solchen Operationen zeigten. Diese innovative Messmethode hat seither für Millionen Patientinnen und Patienten weltweit Verbesserungen gebracht. Er erforschte, welche unter den sogenannten akkommodierenden Linsen, die auch Star-operierte PatientInnen von Lesebrillen unabhängig machen sollen, funktionieren und welche nicht. Darüber hinaus arbeitete er an der Optimierung von Linsenformen- und Materialien, die das häufige Auftreten von Trübungen („Nachstar“) deutlich seltener machen.

Auch von den kreativen Lehrer-Qualitäten Prim. Findls werden die Augen-Patienten des Hanusch-Krankenhauses schon bald profitieren können. Noch am Wiener AKH entwickelte er eine Reihe von interaktiven Lern-Programmen für Studierende, „um ein spielerisches Lernen zu ermöglichen und es zu erleichtern, innerhalb des Lernstoffs Querverbindungen zu ziehen und Zusammenhänge zu verstehen.“ So entstand ein preisgekröntes 3D-Simulationsprogramm für Augenoperationen, ein Fallsimulationsprogramm, anhand dessen Studenten das Finden der richtigen Diagnose erlernen können, und erst neulich das „Elektronische Auge“ („e-eye“), das den Inhalt der Augenheilkunde-Prüfungsskripten nach unterschiedlichen Kriterien abfragen lässt.

Patientenaufklärung am Touchscreen
„Eines meiner vordringlichen Projekte ist es, dieses Know-how nun zur Unterstützung der Patientenaufklärung einzusetzen,“ so Prof. Findl. „Üblicherweise finden Aufklärungsgespräche vor Operationen in einer stressigen Situation statt, Ärzte haben es eilig und Patienten, die das spüren, trauen sich dann oft nicht, zu fragen. Geplant sind nun Multimedia-Programme, welche die Operation in Wort und Bild Schritt für Schritt inklusive möglicher Komplikationen und deren Häufigkeit erklären.“ Der Patient verwendet dazu einen Touchscreen Computer, auf dem er unabhängig und in aller Ruhe die einzelnen Schritte der Operation und die Erklärungen zu möglichen Komplikationen sehen und hören kann. Nach jedem Schritt erscheint auf dem Touchscreen eine Ampel: ‚Rot’ heißt: Nicht verstanden, bitte noch einmal; ‚Gelb’ heißt: Prinzipiell verstanden, aber noch Fragen; ‚Grün’ heißt: Alles klar, bitte weiter. Prim. Findl: „Diese Angaben werden gespeichert und wenn der Arzt dann zum persönlichen Patientengespräch kommt, können gezielt genau diejenigen Punkte durchgearbeitet werden, die den Patienten unklar geblieben sind. So fühlen sich diese ernst genommen und es entsteht kein blindes Ja-Sagen, sondern eine wirklich informierte Zustimmung oder eben Ablehnung des geplanten Eingriffs.“

Neue Tagesklinik für Star-Operationen
Das vordringlichste Projekt ist die Einrichtung einer Tagesklinik für Operationen des Grauen Star. „Nach dem Vorbild anderer Länder, die ich aus unmittelbarer Anschauung kenne,“ so Prof. Dr. Findl. „Für die Patienten bedeutet das mehr Komfort, weil sie noch am selben Tag nachhause können. Für das Spital bedeutet es eine Kostenreduktion, und für das Team bedeutet es zusätzliches Lernen: Für Tagesklinik-Patienten müssen wir uns anders einstellen als für stationäre oder Ambulanz-Patienten. Aber darin sehe ich kein Problem, sondern die Stärke des Hauses: Einem starken Team mit einem guten Spirit gelingt es, moderne Medizin, Chirurgie und Diagnostik in einer sehr menschlichen Arzt und Weise umzusetzen.“

(Dr. Jaan Karl Klasmann)

 


Übersicht    nächster Artikel